Droht beim Honorar eine Nullrunde?

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  • Letzter Beitrag 28 Juni 2020
Dr. Günter Gerhardt schrieb 28 Juni 2020

Es drohen knallharte Honorarverhandlungen. Droht Nullrunde? Die Kassen nehmen wieder ihre alte Blockadehaltung ein.

Dr. Günter Gerhardt schrieb 28 Juni 2020

Honorarverhandlungen

Droht eine Nullrunde?

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechnet angesichts der Corona-Krise mit knallharten Honorarverhandlungen. Droht den Vertragsärzten eine Nullrunde? Die gesetzlichen Krankenkassen seien jedenfalls „zurück in ihren Schützengräben, es gibt kein Geld mehr für die Ärzte“, sagt KBV-Vize Hofmeister.

Hofmeister: „Die Ärzte sind wieder die Melkkühe für die gesetzliche Krankenversicherung.“

Der Vize-Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung macht sich keine Illusionen. Die Honorarverhandlungen dürften in diesem Jahr besonders kompliziert werden. „Das Argument der leeren Taschen wird natürlich tapfer vorgetragen werden“, prophezeit Dr. Stephan Hofmeister. „Die Taschen werden zugenäht.“

Während man sich in der Corona-Krise mit den Kassenvertretern noch unkompliziert auf schnelle Lösungen habe einigen könne, würden diese jetzt wieder ihre „alte Blockadehaltung“ einnehmen. Hofmeister: „Die Kassen sind in ihre Schützengräben zurück, es gibt kein Geld mehr für die Ärzte, und die Ärzte sind wieder die Melkkühe für die gesetzliche Krankenversicherung.“

Grund für Hofmeisters Einschätzung ist ein Vorgang im Bewertungsausschuss vor zwei Wochen. Dort scheiterte die KBV zum wiederholten Mal mit dem Versuch, bei den gesetzlichen Krankenkassen mehr Geld für die Hausbesuche herauszuschlagen. „Uns wurde gesagt, dass es zu den Hausbesuchen eigentlich keinen Aufwertungsbedarf gibt aus Sicht des GKV-SV“, so Hofmeister, der angesprochen auf die Ausschusssitzung von einem „Erlebnis der dritten Art“ spricht.

Die Kassen seien dort mit exakt denselben Argumenten aufgewartet wie bereits vor zwei Jahren. „Das ist schon hanebüchen, dass wir da abgespeist werden“, ärgert sich Hofmeister. Der GKV-Spitzenverband habe lediglich angeboten, „aus anderen Leistungen Geld herauszunehmen und in die Hausbesuchsleistung zu transferieren“.

„Uns ist aber keine Leistung bekannt, die so überbewertet ist, dass man dafür wirklich Geld herausnehmen kann, um die Hausbesuche besser zu vergüten“, so Hofmeister. Und die Vergütung von 23 Euro für einen Hausbesuch sei nach wie vor unzumutbar niedrig und ein „absolut defizitäres Geschäft für den Arzt“.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht und wirklich eine Zumutung“

Er hält das Vorgehen der Kassen für einen Affront. In der Corona-Krise hätten die Vertragsärzte rund 85 Prozent der Covid-Patienten behandelt und maßgeblich dazu beigetragen, dass die Pandemie in Deutschland bislang so glimpflich verlaufen sei. Hofmeister: „Das ist ein Schlag ins Gesicht und wirklich eine Zumutung, dass hier nicht in einen konstruktiven Dialog eingetreten wird und diese massiv unterbewertete Ziffer so aufgewertet wird, dass die Besuche stattfinden können, ohne dass eine Praxis dadurch defizitär wird.“

Die Hausbesuche würden nicht Bestandteil der regulären Honorarverhandlungen werden, betonte der KBV-Vize. Dies sei ein eigener Faktor, „und der muss separat verhandelt werden“. Man erwarte sich von den Kassen „eine offene und faire Diskussion über die Frage der Honorierung der Hausbesuche und dafür auch die Bereitstellung von Mitteln“, fordert Hofmeister. „Mit den vorhandenen Mitteln in der mengenbegrenzten Gesamtvergütung ist das nicht zu machen.“

Er lasse auch das Argument der Kassen, die auf die hohen Ausgaben durch die Corona-Krise verweisen, nicht gelten. „Das eine kann mit dem anderen nichts zu tun haben. Es ist ja auch nicht so, dass in Zeiten prall gefüllter Kassen wir plötzlich ganz viel Honorar bekommen. Es geht nicht nach Kassenlage, sondern es geht nach Sachgründen, und hier haben wir einen Sachgrund: Der Hausbesuch ist deutlich zu schlecht bewertet“, argumentiert Hofmeister. Dies könne jetzt nicht mit der Corona-Kassenlage gegengerechnet werden.

Überdies sei damit zu rechnen, dass die Kassen erheblich weniger Ausgaben haben würden im vertragsärztlichen Bereich. Schließlich seien die Ausgaben für Medikamente und Heilmittel sowie die Laborkosten durch die geringeren Patientenzahlen zurückgegangen.

Die KBV erwarte nun „eine offene und faire Diskussion über die Frage der Honorierung der Hausbesuche und dafür auch die Bereitstellung von Mitteln“. Hofmeister: „Mit den vorhandenen Mitteln in der mengenbegrenzten Gesamtvergütung ist das nicht zu machen.“

24.06.2020, Autor: mm

 

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