Jens Spahn, DER NEUE

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  • Letzter Beitrag 30 September 2018
Dr. Günter Gerhardt schrieb 05 März 2018

Am 7.4.2018 machen unionsinterne Kritiker mit einem "konservativen Manifest" Angela Merkel Druck für einen Richtungswechsel der CDU/CSU. Spahn: Die Union braucht Kreise wie die Werte-Union und die Besinnung auf einen klugen liberalen Konservatismus.

In "Hart aber Fair" am 19.3.2018 versuchte Jens Spahn niemandem auf die Füße zu treten.

Amtsübergabe und Jens Spahn nennt am 1.Tag im Amt die Mega-Themen: Pflege, Gesundheitskarte, Klinikqualität, Entbürokratisierung...

Der neue Bundesgesundheitsminister heißt Jens Spahn (CDU), geboren 1980 in Ahaus, katholisch

Bankkaufmann, seit 2017 Master of Arts in Politik

seit 2002 Mitglied im Deutschen Bundestag, von 2009 bis 2015 gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion, seit 2014 Mitglied im Präsidium der CDU

Dr. Günter Gerhardt schrieb 30 September 2018

Jens Spahn

„Gegen die versammelte Ärzteschaft wird es schwer“

Der Gesundheitsminister verspricht Therapieberufen bessere Bedingungen, warnt sie aber davor, Budgetverantwortung zu übernehmen. „Das macht nicht nur Freude“, so Spahn.

Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Podologen, also die „Heilmittelerbringer“, sollten gut abwägen, ob sie wirklich dafür kämpfen wollen, ohne ärztliche Überweisung behandeln zu dürfen. Dieser sogenannten Direktzugang, der vom Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV) gefordert wird, würde auch Budgetverantwortung nach sich ziehen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag beim ersten, vom SHV veranstalteten Therapiegipfel in Berlin. Budgets „machten nicht nur Freude“, meinte Spahn in seiner Eröffnungsrede und zielte dabei auf die Erfahrungen im ärztlichen Bereich. Er versprach, sich für bessere Vergütungen der Therapeuten einzusetzen und verwies auf das vor kurzem von ihm vorgestellte Eckpunktepapier. Spahn plädierte außerdem an die Berufsgruppen, sich nicht in Verteilungs- und Kompetenzkämpfen mit Medizinern aufzureiben. Beide Gruppen seien aufeinander angewiesen. „Gegen die versammelte Ärzteschaft wird es schwer“, warnte er.

Der SHV vertritt nach eigenen Angaben etwa 75 000 der 230 000 bundesweit tätigen Heilmittelerbringer und steht für 90 Prozent des Umsatzes in dem Bereich. Als Spitzenverband verhandelt er für die Heilmittelberufe mit dem GKV-Spitzenverband, aber auch mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Etwa dazu, für welche Indikationen in Zukunft „Blankoverordnungen“ gelten sollen: Diese werden von Ärzten ausgestellt, die Therapeuten entscheiden dann aber alleine über Therapieart und -dauer. Diese Neuregelung wurde ebenfalls in Spahns Eckpunktepapier angekündigt, das erst noch in ein Gesetz münden muss. Im Papier wird zudem die flächendeckende Abschaffung des Schulgeldes angekündigt und ein stärkerer Anstieg der Vergütung. Allerdings, so Spahn, müsse man dabei auch überzogenen Erwartungen entgegen treten. Größenordnungen von zwei bis 2,5 Milliarden Euro mehr pro Jahr, wie sie aus der Branche zu hören sein, „halte ich nicht für möglich“.

Ärztemangel auffangen

Auch wenn er dem Direktzugang nicht das Wort redete, lehnte Spahn ihn auch nicht grundsätzlich ab. „Natürlich muss man dann aber auch über Qualitätsvoraussetzungen reden“, betonte er. Ute Repschläger, Vorsitzende des SHV, meinte, dass der Direktzugang zwar von den Ärzteverbänden abgelehnt werde, „die müssen das ja“, aber die Niedergelassenen auf dem Land dies durchaus als Entlastung begrüßen würden. Auch zeigten internationale Erfahrungen, dass es auch mit dem Direktzugang keine große Mengenausweitung gegeben habe. Repschläger interpretierte Spahns Rede auch dahingehend, dass er offen dafür sie, Therapieleistungen für selbstzahlende, also Privatpatienten, zu öffnen. „Da scheint eine Tür aufzugehen“, sagte sie.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Roy Kühne, Mitglied im Gesundheitsausschuss und ausgebildeter Physiotherapeut, sprach sich für den Direktzugang auch deshalb aus, weil es absehbar einen Ärztemangel geben werde und Therapeuten einen Teil dieses Mangels abfangen könnten. Auch seine SPD-Kollegin im Ausschuss, Bettina Müller, prognostizierte, dass man den Direktzugang im ländlichen Raum bald dringend brauchen werde. „Wenn wir dort die Gesundheitsberufe nicht in einer völlig neuen Rolle betrachten, wird es nicht funktionieren“, sagte sie. „Manche Operation“ könnte gespart werden, wenn Patienten stattdessen therapeutisch behandelt würden. Das würde zwar mehr Geld kosten, sagte Roy Kühne, „aber das ist gut investiert“.

Ärzte verschreiben weniger

Mehrere Redner und Fragesteller aus dem Publikum beklagten, dass Ärzte in den letzten Jahren immer weniger therapeutische Leistungen verschrieben. Florian Rott, Heilmittelreferent beim GKV-Spitzenverband, sagte, dass die Gelder der GKV für Heilmittel in allen Bundesländern deutlich angestiegen seien, „warum das bei den Therapeuten nicht ankommt, weiß ich auch nicht“. Prof. Axel Ekkernkamp, Geschäftsführer des Unfallkrankenhaus Berlins, berichtete ebenfalls, dass „Ärzte viel weniger Heilmittel verordnen“. Viele von ihnen hätten immer noch Vorbehalte gegen die therapeutischen Verfahren. „Die nicht sehr gute Stimmung zwischen beiden Gruppen könnte sicher noch verfeinert werden“, sagte er. Es lohne sich für die Therapeuten, „auf die Ärzte zuzugehen“.
28.09.2018 14:58:24, Autor: tt

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