#lasstunsarztwerden

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Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 2 Wochen

Bitte erzählt Eure Geschichte hier auf diesem Portal. Jeweils immer ein neuer Kommentar.

Die Betroffenheit der zuständigen Politiker kann gar nicht groß genug werden. Mit ihrer Untätigkeit verprellen sie viele, sehr viele junge Menschen, die Ärztin/ Arzt werden wollen und eine ständig zunehmende Zahl von alten, kranken Menschen. Alle Beteiligten reiben sich verwundert die Augen welche Summen Deutschland für was auch immer ausgeben kann, nur nicht für den eigenen Nachwuchs.

 

Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 2 Wochen

#lasstunsarztwerden

Der Ärztemangel (besser der Mangel an ärztlicher Leistung) in Deutschland nimmt kontinuierlich zu. 2017 nahmen 172 647 Ärzte und Psychotherapeuten an der vertragsärztlichen Versorgung teil, fast 3000 mehr als noch ein Jahr zuvor. Bei der Betrachtung des tatsächlichen Teilnahmeumfangs an der Versorgung ist das aber nur ein Plus von 0,2%! Der Grund dafür ist u.a. ein anhaltender Trend zur Teilzeittätigkeit.
Ärztemangel darf also nicht nur mit der Zahl der Medizinerinnen und Mediziner erklärt werden, sondern zum einen mit dem Teilnahmeumfang an der Versorgung und zum anderen mit den Bedarfen einer immer älter werdenden multimorbiden Bevölkerung und auch dem medizinischen Fortschritt.
Dringend notwendige Reformen müssen angegangen werden: Masterplan Medizinstudium 2020, Förderung der hausärztlichen Versorgung, Abbau von Bürokratie und auch Regressangst, was nichts Anderes bedeutet, als dem ärztlichen Nachwuchs die Angst zu nehmen, die Kosten für eine notwendige Therapie – so wie gelernt – als niedergelassene Ärztin/ Arzt selbst durch Abzug vom Honorar bezahlen zu müssen.
Seit Jahren wird über das Problem Ärztemangel viel geredet, aber nur wenig gehandelt:
Die Forderung nach mindestens 20% mehr Studienplätzen ist mittlerweile auch schon alt, es tut sich nichts.
Die Bundesländer wollen die Zulassung zum Medizinstudium per Staatsvertrag ändern. Eine Länder-Arbeitsgruppe „Staatsvertrag Hochschulzulassung“ will (Stand Februar 2018) einen Bericht mit Vorschlägen zum weiteren Verfahren und zu Handlungsoptionen vorlegen, Entscheidungen sind nicht geplant.
Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat am 19. Dezember 2017 entschieden, dass das Verfahren zur Vergabe von Medizin-Studienplätzen teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss. Hubertus Heil (SPD): „Die Abiturnote bleibt ein wichtiges Indiz, aber in Zukunft muss das individuelle Talent und auch eine passende Vorbildung wichtiger werden.“
Zur Situation:
Zum Wintersemester 17/18 standen knapp 9200 Medizin-Studienplätzen fast 43200 Bewerber gegenüber. Ein Fünftel der Plätze wird an Bewerber mit der Abinote 1,0 bis 1,2 vergeben, ein Fünftel wird nach Wartezeit vergeben – 14 bis 15 Semester. Die übrigen 60% der Plätze können Hochschulen in einem eigenen Auswahlverfahren vergeben (= Blackbox). Eine Besonderheit ist der sog. Teilstudienplatz, den man u.a. im Losverfahren bekommen kann: Der Bewerber wartet nach dem Abitur einige Jahre, bekommt dann einen Teilstudienplatz bis zum Physikum und darf dann nicht weiterstudieren, muss wieder warten.
 Anm.: Die Wartezeit ist also in etwa so lang, wie das ganze Studium dauert. Von Politikern wird immer wieder postuliert, dass Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden, frühestens nach 12 Jahren (zur Studienzeit müssen noch 5 bis 7 Jahre Weiterbildungszeit zum Facharzt addiert werden) greifen. Wenn man weiterhin Tausende von Bewerbern warten lässt, dann sprechen wir von 20 Jahren bis sich was Entscheidendes tut.
Auf diese skandalösen Zustände will #lasstunsarztwerden hinweisen.
 

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