TK ist für stärkere Öffnung der Kr'häuser für die ambulante Versorgung

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Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 5 Wochen

Ich hatte gleich den Verdacht, das die GKV die Sekrorübergreifenden Versorgung als ONE WAY Lösung sieht.

Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 5 Wochen

Sektorengrenzen

TK-Vize sieht KV-Notdienst im „Niedergang“

Die Krankenhäuser sollten in der ambulanten Versorgung wieder eine stärkere Rolle spielen, fordert Ballast.
© Schwarz, änd

Für eine stärkere Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung hat sich TK-Vizechef Thomas Ballast am Dienstag auf der MEDICA in Düsseldorf ausgesprochen. Was die Notfallversorgung angehe, so würden die Kliniken sowieso schon eine stärkere Rolle spielen als das KV-System.

Die Krankenhäuser sollten in der ambulanten Versorgung wieder mehr Einfluss bekommen. Dafür plädierte Thomas Ballast, stellvertretender Vorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), auf dem MEDICA-ECON-Forum in Düsseldorf. Früher sei es schon mehr gewesen durch Ermächtigungen und das Belegarztwesen.

Im Notdienst seien die Krankenhäuser jetzt schon vorn. Während der KV-Notdienst im „Niedergang“ sei, hätten die Krankenhäuser immer mehr Zulauf. Und das, obwohl die Patienten wüssten, dass sie hier lange warten müssten und oft nicht von einem Facharzt, sondern von einem Assistenzarzt behandelt würden, so Ballast.

Diese Kritik wollte Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender der KV Nordrhein, nicht einfach so stehen lassen. Die KVNO setze sich gerade im Notdienst für sektorübergreifende Lösungen ein, hielt er Ballasts Äußerungen entgegen. In Köln werde im kommenden Jahr die Notfallversorgung über gemeinsame Leitstelle mit dem Rettungsdienst erprobt. „So kann man Versorgungsengpässe verbessern.“

Kliniken auch für Grundversorgung öffnen

Auch bei der fachärztlichen Versorgung kann sich Ballast eine Überschreitung der Sektorengrenzen vorstellen. So könnten Krankenhäuser sich in der fachärztlichen Grundversorgung engagieren, schlug er vor. Umgekehrt könnten niedergelassene Fachärzte auch Patienten über Nacht betreuen.

Medizinische Versorgungszentren seien die richtige Antwort. Aber sie seien auch ein „Einfallstor für Kapitalinteressen“. Die aufgekauften Zahnarztpraxen fand Ballast weniger problematisch als die sogenannten „Brauereieinrichtungen“. Das seien MVZs, die von Herstellern von Medizinprodukten wie Dialysematerial betrieben würden. Der Verdacht liege nahe, dass nur ihr Material zum Einsatz komme.

Aus anderen Ansätzen wie der ambulanten spezialärztlichen Versorgung sei dagegen nichts geworden. „Gleichgewicht des Schreckens“, so Ballasts Überschrift für diesen seiner Meinung nach viel zu komplizierten Versuch der sektorübergreifenden Versorgung. Die ASV sei vor allem an Partialinteressen gescheitert, meinte dagegen Bergmann.

Wenn man die Steuerungs- und Planungsintensität des Terminservice und Versorgungsgesetzes sehe, werde einem „Angst und Bange“, meint Bergmann.
© KVNO
Ein wesentliches Hindernis zur Überwindung der Sektorengrenze seien die unterschiedlichen Vergütungssysteme, sagte Ballast. In Thüringen erprobe die TK derzeit sogenannte Hybrid-DRG. Das sei ein neues Vergütungsmodell für Operationen, bei dem ambulante und stationäre Leistungen gleich bezahlt würden.

Auch Dr. Axel Wehmeier, Vorstand der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft (HZVG), sieht in solchen Hybrid-Vergütungen durchaus eine Chance. Vor allem, weil es in Richtung Pauschalierung gehe. Das sollte im Rahmen von Selektiv-Verträgen erprobt werden, so Wehmeier. Auch Bergmann zeigte sich offen für solche Vergütungsinstrumente. „Es kommt auf den politischen Willen an, so etwas umzusetzen“, sagte der KVNO-Chef.

Bedarfsplanung schafft keine neuen Ärzte

Für die Entfaltung der sektorübergreifenden Versorgung seien die 90a-Gremien in den Ländern der passende Akteur, meinte Ballast. Hier säßen Beteiligte aller Sektoren schon zusammen. Da könne man auch an eine sektorenübergreifende Bedarfsplanung gehen.

Die Bedarfsplanung sei bei den Landesausschüssen gut aufgehoben, entgegnete Bergmann. Man könne sie noch so fein gestalten, dadurch habe man dann aber nicht mehr Hausärzte. Die KV müsse flexibler planen und vor allem Anreize schaffen können, damit junge Ärzte bereit seien, die Verantwortung der Niederlassung zu übernehmen. Wenn man dagegen aber die Steuerungs- und Planungsintensität des Terminservice und Versorgungsgesetzes sehe, werde einem „Angst und Bange“. Die Praxen müssten vor allem bürokratisch entlastet und nicht mit einer Regressflut überzogen werden, forderte Bergmann. Die Niederlassung biete im übrigen vielmehr Freiheiten als jede Anstellung, gerade für junge Ärztinnen mit Familie.

Telemedizin zur Überwindung von Grenzen

Die Telemedizin sei die perfekte Basis, um Sektorengrenzen überflüssig zu machen, fuhr Ballas fort. Seiner Auffassung nach kann die Telemedizin auch die Regionalität in Frage stellen. Der Patient könne sich nicht nur an den Arzt in seiner Stadt oder seinem Land wenden, sondern an einen Arzt irgendwo auf der Welt. Aber die Realität sehe noch anders aus. Ballast berichtete von einem orthopädischen Krankenhaus, das noch mit Karteikarten und Laufzetteln arbeite. „Wir müssen alle mitnehmen“, betonte der TK-Vize.

Auch die niedergelassenen Ärzte stünden der Telemedizin „ganz offen“ gegenüber, meinte Bergmann. Das Problem sei gewesen, dass die Industrie die technischen Lösungen lange Zeit nicht habe liefern können. Die Telemedizin sei gut für die Arzt-Arzt-Kommunikation und könne bei Bagatellerkrankungen die Praxen entlasten.

Der Arzt-Kontakt könne digital oder analog erfolgen, meinte Wehmeier. „Wichtig ist, dass es ein qualitätsgesicherter Arztkontakt ist“. Die Ärzte müssten sich auf jeden Fall auf dieses Thema einstellen.

 

14.11.2018 09:20:52, Autor: Aus Düsseldorf für den änd: Ruth Bahners

 

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