Reaktionen auf das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG).

  • 52 Aufrufe
  • Letzter Beitrag vor 4 Wochen
Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 5 Wochen

Die KV Brandenburg bricht das TSVG auf den Bereitschaftsdienst herunter. 

Den "Spahn-Spaß" (TSS und Bereitschaftsdienst) die Ärzte mit einer Sicherstellungsumlage bezahlen zu lassen wiegelt der Vorstand ab, "das sollen Politik und Kr'kassen bezahlen". Na dann mal viel Spaß bei den Verhandlungen. 

Hamburgs Ärzte in der VV der KV halten das TVSG für eine Zumutung. Andererseits lockt der Ausstieg aus der Budgetierung. 

Sortieren nach: Standard | Neueste | Stimmen
Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 5 Wochen

Primärarztsystem gefordert

Brandenburger Hausärzte schreiben offenen Brief an Spahn

In einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fordert der Hausärzteverband Brandenburg die Einführung eines Primärarztsystems, bei dem der Hausarzt die Steuerung des Patienten übernimmt. Anlass des Schreibens ist der Entwurf eines Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG).

Schlägt Gesundheitsminister Spahn ein Primärarztmodell vor: Dr. Karin Harre, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Brandenburg
©HÄV

Im Gesetz ist unter anderem geplant, die Sprechstundenzeiten der niedergelassenen Ärzte von 20 auf 25 Stunden anzuheben und Patienten über telefonische Terminservicestellen zu koordinieren. „Das Gesetz entspricht nicht der Arbeit von uns Ärzten und vernachlässigt den einfachsten Weg, viele Probleme mit einer einzigen Maßnahme zu erledigen“, sagt Dr. Karin Harre, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Brandenburg. Der durchschnittliche niedergelassene Mediziner arbeite längst 50 Stunden pro Woche und mehr, eine Anhebung vom Ministeriumsschreibtisch aus entspreche nicht der Realität, so Harre. Problem seien vielmehr die unzähligen unkoordinierten Arzt-Patientenkontakte.

Als Lösung schlagen die hausärztlichen Interessenvertreter ein Primärarztsystem vor, bei dem der Haus- oder Kinderarzt die Fäden von Prävention, Behandlung und Medikation oder Überweisung an einen Spezialisten in der Hand hat.

„Wir können für Krankheiten den effizientesten Behandlungspfad empfehlen und kennen unsere Patienten“, so Harre. Gezielte Überweisungen würden die spezialisierten Ärzte und das Gesundheitssystem als Ganzes entlasten. Durch eine koordinierte strukturierte Versorgung könne auch einem Versorgungsengpass im fachärztlichen Bereich entgegengewirkt werden.

Allerdings müssten für ein solches System Politik und Krankenkassen die entsprechenden Weichen stellen und Anreize für Patienten zur Teilnahme machen, so Harre.

21.09.2018 09:30:55, Autor: RC

 

Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 4 Wochen

KBV kritisiert TSVG

„Kein Punkt wird gegen angestellte Ärzte wirksam“

Ob von Jens Spahn gewollt oder nicht – sein neues Gesetz ist geeignet, selbständige Ärzte zurückzudrängen, meint der KBV-Vorstand. Das Gesetz bedeute für Praxen zwei Stunden Bürokratie zusätzlich pro Woche.

Die geplanten Neuregelungen des von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebrachten Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) werden nur sehr schwer oder gar nicht zu überprüfen sein. Das sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Stephan Hofmeister, am Freitag in Berlin anlässlich der KBV-Vertreterversammlung.

„Technisch ist das Irrsinn“, kommentierte Hofmeister diverse Regelungen im TSVG-Kabinettsentwurf, die etwa eine Extra-Vergütung vorsehen für Patienten, die direkt vom Hausarzt zum Facharzt vermittelt werden. Solche Patienten und Überweisungsvorgänge zu erfassen und zu überprüfen sei dann Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen. „Im Moment hat keiner die Phantasie, wie das gemacht werden soll“, sagte Hofmeister. Er plädierte für „Diskriminierungsfreiheit“, also dafür, dass Ärzte für alle Patienten genauso vergütet werden – und nicht etwa unterschiedlich danach, ob sie als Direktüberweisung, regulär oder etwa in der offenen Sprechstunde kommen.

Bereits am Vormittag hatte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen seine Kritik am Gesetz bekräftigt. Dieses sei im Kabinettsentwurf noch mal ein bisschen schlimmer geworden als im vorherigen Referentenentwurf, sagte er bei der anschließenden Pressekonferenz.

Das Gesetz bedeute einen „Bürokratieaufwachs“, Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel bezifferte diesen auf schätzungsweise „ein bis zwei Stunden pro Woche zusätzlich“. Da der Entwurf fast nur auf den „Erstkontakt mit neuen Patienten abstellt“, sagte Gassen, werde dies fast zwangsläufig dazu führen, dass weniger Zeit für chronisch Kranke und ältere Patienten bleibe, die eine langfristige Terminplanung bräuchten. „Leidtragende des Gesetzes werden, neben den niedergelassenen Ärzten, die schwächsten Patienten sein“, prognostizierte Gassen.

„DDR-Verhältnisse“

Gassen wie Hofmeister betonten, dass das Gesetz wie ein Angriff auf die selbständigen Ärzte wirke, die VV-Vorsitzende Dr. Petra Reis-Berkowics sprach gar von „DDR-Verhältnissen“, die etabliert würden. „Wenn ich ein MVZ hätte, käme mir das Gesetz sehr zupass“, sagte sie – denn in solchen Strukturen ließen sich offene Sprechstunden und andere Neuerungen betriebswirtschaftlich perfekt umsetzen.

„Kein Punkt im Gesetz wird gegen den angestellten Arzt wirksam“, ergänzte Stephan Hofmeister. Ob das die Intention Spahns sei, wolle er nicht sagen, „aber es ist zumindest eine Nebenwirkung“, und die müsse der Gesetzgeber ebenfalls berücksichtigen. Würden alle Ärzte, die jetzt noch in Praxen arbeiteten, sofort angestellt tätig, sagte Hofmeister, würden auf einen Schlag 30 Prozent der angebotenen Sprechstunden verloren gehen. „Das Gesetz kann nur Effizienzgewinne heben, weil es die Niedergelassenen gibt.“
28.09.2018 15:19:28, Autor: tt

 

Close