Videosprechstunde NEU Anbieter Kry

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Dr. Günter Gerhardt schrieb 25 Dezember 2016

Dezember 2016: KBV und GKV Spitzenverband haben sich auf die technischen Anforderungen an eine Videosprechstunde geeinigt. Die Videosprechstunde soll am 1.7.2017 in Kraft treten.

Honorar 9,27 € einmal im Quartal, aber nur falls nur Videosprechstunden stattgefunden haben, ansonsten im Budget

Die Videosprechstunde ist mal wieder die glatte Verarschung, s.u. Wolf im Schafspelz

10.10.2019: KBV und Kassen haben sich auf neue Regeln zur Videosprechstunde geeinigt (s. angehängte Datei)

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Dr. Günter Gerhardt schrieb 07 August 2017

Sächsische Patienten wollen die Videosprechstunde erst dann, wenn es um Folgetermine geht. 2/3 würden die Videosprechstunde für eien Folgetermin nutzen und 8 % beim Erstkontakt.

Ich glaube, das ist nicht nur in Sachsen so. Gerade Patienten, die mit ihrer Ärztin/ Ihrem Arzt "was zu besprechen haben", werden dieses Gespräch nicht in der Videosprechstunde führen. Mag sein, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird, aber derzeit sind wir von diesem Szenario noch weit entfernt.

Dr. Günter Gerhardt schrieb 15 Juli 2018

Ein zutreffender Cartoon von dem Kollegen Wolfgang Porn aus Alzey

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Dr. Günter Gerhardt schrieb 04 September 2018

Stephan Bönig - 29.08.2018 12:51 - 90

Innere Medizin

Was bringt eine Onlinesprechstunde? Es dürfen weder Überweisungen noch Rezepte ausgestellt werden und körperliche oder andere Untersuchungen sind nicht möglich - was bleibt also? Eine Kommunikation mit dem Patienten. Fragen können beantwortet und Ratschläge erteilt werden. Eine Innovation dank des Internets? Ein hoch auf das digitale Zeitalter? Eher nicht, denn genau das kann das gute alte Telefonat auch! Es ist egal wie ich kommuniziere - persönlich, per Telefon oder über irgendwelche Chats und Apps - das Ergebnis ist stets das Gleiche! Was soll also dieser Hype über Onlinesprechstunden? Gibt es schon lange, hieß bis jetzt nur Telefonsprechstunde!

Dr. Günter Gerhardt schrieb 13 November 2018

Die Videosprechstunde: Ein neuer Wolf im Schafspelz

Haben Sie auch gejubelt, als der Ärztetag im Mai in Erfurt das Fernbehandlungsverbot gelockert hat und die Videosprechstunde von Krankenkassen als „als hervorragende Alternative zum Praxisbesuch“ gelobt wurde, und „damit Versorgungslücken geschlossen, allgemeine Beschwerden rascher abgeklärt und immobile Patienten intensiver betreut werden“?
Wenn eine solche Entscheidung der Delegierten des Ärztetages ganz spontan von der Politik und den Kassen gelobt und begrüßt werden, dann müssen wir liebe Kolleginnen und Kollegen nicht nur stutzig werden, sondern uns massiv einmischen in den weiteren Prozess.  Beispiel Videosprechstunde: Sie kann und darf niemals die normale Sprechstunde ersetzen, wo wir mit einem Patienten in einem geschlossenen Raum sitzen, und das gesprochene Wort gilt. Im Rahmen einer Videosprechstunde wissen wir nie wer alles noch an der Sprechstunde „teilnimmt“ ohne dass wir es bemerken, wo und wann irgendwelche Mitschnitte auftauchen, die gegen uns verwendet werden können.
Jeder von uns sollte sich Gedanken machen darüber, was ihm diese Videosprechstunde bringt. Also finanziell schon einmal gar nichts: 9,27 € einmal im Quartal, aber nur, wenn im Behandlungsfall ausschließlich Videosprechstunde stattgefunden hat, ansonsten im Budget. Für typische HA-Praxen bedeutet das: immer im Budget. Weitere KO Kriterien hat unser Kollege Gerd Zimmermann in seinem Beitrag „Nicht zu Ende gedacht“ in der MT Nr.21 vom 25.Mai 2018 sehr gut beschrieben. Die Kassen werden in der Tat jubeln über die Videosprechstunde: Gleiche Leistungen wie jetzt, aber wesentlich billiger. Ich weiß nicht, inwieweit den Kammerfunktionären ihre Entscheidung in letzter Konsequenz bewusst war, im Beschluss steht auf jeden Fall, dass Kommunikationsmedien nur im Einzelfall den direkten Arzt-Patienten-Kontakt ersetzen sollen. Ich spreche auch absichtlich nicht pauschal von der Telemedizin, die eindeutig unsere Arbeit erleichtern und sie auch interessanter gestalten kann in der Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen in Praxen, Kliniken REHA Einrichtungen und wo sonst auch immer. Unsere Aufgabe muss es nur wirklich sein, klar zu unterscheiden, was die Versorgung unserer Patienten verbessert, wozu auch die letztgenannte Kommunikation gehört und was uns schadet.  Nicht nur finanziell, sondern auch aus unter forensischer Sicht. Wir können und dürfen uns dabei nicht nur auf industrielle Anbieter (Callcenter als telemedizinische Primärarztmodelle!) verlassen, sondern sollten, auch mithilfe unserer KV, Erfahrungen permanent austauschen, um so die Spreu vom Weizen trennen zu können. Wir sollten außerdem höllisch aufpassen, dass aus der von den Kassen ihren Mitgliedern gegenüber angepriesenen Videosprechstunde kein Kostensparprogramm wird: „Nehmen Sie vor dem Praxisbesuch erstmal Videokontakt auf! Vielleicht brauchen Sie dann ja gar nicht mehr in die Sprechstunde!“ Die Krönung wäre dann ein Indikationskatalog für die Videosprechstunde.
Losgelöst von unserem täglichen Praxisalltag ist der Videochat mit unbekannten Patienten in der Notfallversorgung zu sehen. Hier können die Patienten wirklich, wie von der KBV richtig auf den Weg gebracht, über die 116117 rund um die Uhr in die geeignete Versorgungsebene geleitet werden, sodass ein Zulaufen der Klinikambulanzen mit Bagatellen zukünftig unterbleibt. Nur dann werden wir auch unserem Sicherstellungsauftrag gerecht, was in der politischen Diskussion dringend notwendig ist.
Alle 17 Ärztekammern müssen ihre Berufsordnungen entsprechend anpassen. Die Kammer in Schleswig-Holstein hat ihre Berufsordnung schon vor dem Ärztetag in Erfurt nachahmenswert geändert. So steht dort jetzt beispielsweise in der Berufsordnung „Fernbehandlung ist erlaubt, wenn diese ärztlich vertretbar und ein persönlicher Kontakt mit der Patientin oder dem Patienten nicht erforderlich ist“.

Dr. Günter Gerhardt schrieb 19 Januar 2020

Online-Sprechstunden-Anbieter Kry

„Ich würde mir mehr Mut wünschen“

Mehr als 140 Millionen Euro hat der schwedische Telemedizin-Anbieter Kry gerade bei Investoren eingesammelt. Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen expandieren – auch in Deutschland. Der änd wollte von Deutschland-Chefin Christina Koehn wissen, was Kry genau plant.

Koehn: „Es gibt bei der Digitalisierung großen Nachholbedarf, gerade im Vergleich mit anderen Ländern. Wir machen in Deutschland eben noch viel in Papierform – etwa Rezepte. Dabei lässt sich vieles längst digital lösen.“
© Lopata/axentis.de

Frau Koehn, Sie halten das deutsche Gesundheitswesen für rückständig. Warum?

Ich halte das Gesundheitswesen nicht für rückständig. Wir haben eine sehr gute medizinische Versorgung.

Aber von Ihnen stammt der Satz: „Warum kann ich mein ganzes Leben mit dem Smartphone organisieren, aber wenn ich krank werde, verfalle ich in eine Welt von vor einigen Jahrzehnten?“ Klingt nicht gerade so, als seien sie begeistert vom hiesigen Gesundheitssystem.

Es gibt bei der Digitalisierung großen Nachholbedarf, gerade im Vergleich mit anderen Ländern. Wir machen in Deutschland eben noch viel in Papierform – etwa Rezepte. Dabei lässt sich vieles längst digital lösen.

In Schweden, wo Kry vor fünf Jahren startete, ist ein digitaler Arztbesuch schon lange Teil der Versorgungsrealität. Würden Sie sich in Deutschland mehr Mut für Veränderungen wünschen?

Ich würde mir mehr Mut wünschen, ja. Ich würde mir wünsche, dass einem Patienten einfach die Möglichkeit offen steht, dass, wenn er morgens mit einem Magen-Darm-Infekt aufwacht, sich nicht ins Wartezimmer der nächsten Hausarztpraxis schleppen muss, sondern das Problem auch digital über eine Videosprechstunde adressieren kann.

Andere Länder wie Schweden, Großbritannien oder die Schweiz sind in Sachen E-Health weiter. Fühlen Sie sich in Deutschland als eine Art Entwicklungshelfer?

Nein, so würde ich unsere Rolle nicht sehen. Wir verstehen uns als eine Ergänzung im Gesundheitswesen – sowohl für Patienten als auch Ärzte. Wir wollen nichts ersetzen, sondern zusätzliche Optionen aufzeigen.

Wie zufrieden sind Sie mit den Vorstößen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beim Thema Digitalisierung? Mit dem Digitale-Versorgungs-Gesetz hat ja erst vor einigen Wochen ein weiteres Gesetz den Bundestag passiert.

Es hat sich in den vergangenen zwei Jahren unheimlich viel getan. Beginnend mit der Änderung der Musterberufsordnung 2018, die mit der Aufhebung des Fernbehandlungsverbots den Weg für digitale Arztbesuche frei gemacht hat. Ich freue mich, dass diese Dynamik in Gang gekommen ist. Da hat sicher auch Herr Spahn mit seinen Gesetzen seinen Anteil daran.

Reicht das schon oder muss da mehr kommen?

Es ist sicherlich noch nicht genug. Ein zweites Digitalgesetz ist ja bereits angekündigt. Da wird in den nächsten Jahren noch einiges in Gang kommen.


 

Die Ärzte, die in Deutschland für Kry arbeiten, sind unter der Woche von sieben bis 22 Uhr und an Wochenenden von acht bis 20 Uhr erreichbar.
©rocketclips/Fotolia.com

Wie nehmen die Patienten in Deutschland Ihr Angebot an? Wie bekannt ist Kry schon?

Wir stehen hier noch ganz am Anfang, sind ja erst vor wenigen Wochen gestartet. Daher sind wir noch nicht so bekannt, wie ich mir das wünsche. Die Patienten reagieren aber bereits sehr positiv auf unser Angebot. Sie freuen sich, wenn sie auch an Heiligabend noch einen unkomplizierten Zugang zur Versorgung erhalten und online ein Rezept ausgestellt bekommen. Die Wertschätzung ist sehr hoch.

Wie viele Patienten behandeln die Ärzte bei Kry täglich online?

Dazu kann ich Ihnen keine Angaben machen.

Was sind die Hauptanliegen der Patienten?

Das sind vorwiegend Erkältungssymptome und Magen-Darm-Erkrankungen. Dazu kommt das Ausstellen von Rezepten. Wir arbeiten also in erster Linie mit Allgemeinmedizinern und Internisten zusammen, wollen das Angebot aber auf weitere Fachgruppen ausdehnen – etwa auf die Dermatologie.

Wo liegen für Sie die Grenzen der Videosprechstunde?

Ich würde die Grenze weniger bei bestimmten Fachgruppen sehen als vielmehr bei bestimmten Symptomen, wo körperliche Diagnostiken oder Laboruntersuchungen nötig sind. Hier gibt es noch Grenzen. Diese werden sich aber künftig verschieben.

Wie reagieren die Ärzte auf Ihr Angebot?

Auch hier gibt es positive Rückmeldungen. Sie freuen sich, weil sie mit uns ihren Arbeitstag flexibilisieren können.

Wie viele Ärzte haben Sie in Deutschland schon unter Vertrag?

Derzeit liegt die Anzahl im zweistelligen Bereich. Uns ist es wichtig, dass wir die Reaktionszeiten, die wir den Patienten zusagen, einhalten. Sie sollten nie länger als eine halbe Stunde auf ihr Arztgespräch warten.

Das heißt, je bekannter sie werden, desto mehr Ärzte werden Sie brauchen. Wie finden Sie die?

Derzeit sind wir in der komfortablen Situation, dass viele Ärzte auf uns zukommen. Und zwar aus allen Altersgruppen.

Gibt es da einen Auswahlprozess oder nehmen Sie jeden Bewerber?

Wir überprüfen die Qualifikation. Es müssen approbierte Fachärztinnen oder Fachärzte sein. Dazu kommen verschiedene Fortbildungen auf unseren Systemen. Da wir europaweit bereits rund 1,4 Millionen Online-Sprechstunden durchgeführt haben, verfügen wir hier über die entsprechende Erfahrung, die wir an unsere Ärzte weitergeben. Da gibt es etwa bestimmte Kniffe, wie ein Arzt bestimmte Symptome mit dem Patienten verifizieren kann.

Wer haftet, wenn etwas schiefläuft?

Alle Ärzte, die für uns arbeiten, sind durch ihre Haftpflichtversicherung abgesichert.

Was können Ärzte bei Ihnen verdienen?

Der Arzt rechnet nach GOÄ ab. Einen Teil davon zahlt er uns für die Plattform und die Abwicklung.

Derzeit bekommen nur Privatversicherte die Leistung erstattet. Wann sollen auch gesetzlich Versicherte von Ihrem Angebot profitieren können?

Wir rechnen damit, dass unser Angebot noch im Laufe dieses Jahres auch für gesetzlich Versicherte erstattungsfähig wird.

Wie reagieren die Kassen auf Ihr Angebot?

Viele Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen und auch der GKV-Spitzenverband stehen Videosprechstunden sehr offen gegenüber. Die Stimmen werden lauter, dass Online-Sprechstunden ein ganz normaler Teil unserer Gesundheitsversorgung sein werden – übrigens auch bei den Ärzten. Das spiegelt sich auch in unseren Gesprächen wider.

Wie gewährleisten Sie den Schutz der Patientendaten?

Die Ärzte dokumentieren ihre Behandlungen in einem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zugelassenen Arztinformationssystem, das allen erforderlichen Regularien in Deutschland unterliegt.

Gesundheitsökonomin mit Startup-Erfahrung

Cristina Koehn (34) ist General Manager bei Kry. Die Betriebswirtin und
promovierte Gesundheitsökonomin ist verantwortlich für das
Deutschland-Geschäft des 2015 in Schweden gegründeten digitalen
Gesundheitsunternehmens. Zuvor leitete sie die Unternehmensentwicklung
von Kry auf globaler Ebene und war für die Internationalisierung
zuständig. Vor ihrem Wechsel zu Kry war sie Geschäftsführerin eines
Gesundheits-Startups in Berlin und Beraterin bei der Boston Consulting
Group für den Gesundheitsbereich.

Neben Deutschland und dem Heimatmarkt Schweden ist Kry in Großbritannien, Frankreich und Norwegen aktiv. In diesen Ländern arbeiten mehr als 700 Ärzte für das Unternehmen, die nach Kry-Angaben mehr als 1,4 Millionen Patienten telemedizinisch behandelt haben.

Für eine Diagnose können Patienten die Ärzte über eine  App kontaktieren, sich gegebenfalls krankschreiben lassen oder ein elektronisches Rezept ausgestellt bekommen. Um das einzulösen, können Patienten eine Apotheke vor Ort auswählen oder sich das Medikament zuschicken lassen. Dafür kooperiert Kry mit der niederländischen Versandapotheke Doc Morris.

 

17.01.2020 08:58:16, Autor: Interview: Marco Münster, änd

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