KBV: Standards für digitale Versorgung

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Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 4 Wochen

Mit sog. Medizinischen Informationsobjekten (MIOs) wil die KBV  einheitliche Standards für die Digitalisierung im Gesundheitswesen setzen. 

Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 4 Wochen

Medizinische Informationsobjekte

KBV will Standards für digitale Versorgung setzen

Mit sogenannten Medizinischen Informationsobjekten (MIOs) will die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) einheitliche Standards für die Digitalisierung im Gesundheitswesen setzen. Erstmals soll so der Nutzen der Digitalisierung für Ärzte spürbar werden. Doch das kann noch dauern.

KBV-Chef Dr. Andreas Gassen glaubt an den Mehrwehrt von Medizinischen Informationsobjekten.
© änd

„Wir schaffen mit den MIOs die Möglichkeit, medizinische Daten zu erschließen und so zu strukturieren, dass sie auf vielfältige Art und Weise genutzt werden können. Dadurch entsteht ein immenser Mehrwert für die Versorgung", so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen am Mittwoch in Berlin. Die Erstellung der MIOs bezeichnete er als schwierige Aufgabe, aber auch als Weltpremiere. „Das ist nicht trivial. Das ist auch nicht selbstverständlich. Das ist tatsächlich heute noch nirgendwo in der Welt der Fall.“ Sektorenübergreifende Austauschbarkeit und Standardisierung medizinischer Daten sei in größerem Maßstab noch nirgends realisiert. „Das gibt es bisher noch nirgendwo in einem Setting, was mehrere 100.000 Menschen übersteigt“, sagte Gassen.

Mit den MIOs entwickelt die KBV nach seiner Beschreibung eine Sprache mit klaren Vokabeln und Grammatikregeln für alle. Diese Sprache umfasst drei Teile: Die medizinischen Inhalte, die Kodierung und die technische Semantik. Ein Erklärungsvideo hat die KBV hier veröffentlicht.

Die erste MIO für den digitalen Impfpass hat die KBV nun soweit fertig entwickelt, dass sie bereits öffentlich kommentiert werden kann. Noch fünf Wochen lang haben Institutionen und Privatpersonen Gelegenheit, ihre Meinung zu den Details der Entwicklung auf einer Plattform der KBV zu kommentieren. Anschließend stellt die KBV das Benehmen mit den Stakeholdern her. Mehr als 20 Institutionen sind an diesem Prozess beteiligt.

Gassen: „MIOs schaffen erstmals medizinischen Mehrwert bei Digitalisierung“

Die nächsten MIOs, die die KBV erarbeitet, sollen die Digitalisierung des Zahnbonusheftes, des Mutterpasses und des gelben Heftes für U-Untersuchungen von Kindern ermöglichen. Ziel ist es, „dass alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, medizinische Informationen austauschen können – schnell, praktikabel und unkompliziert“, sagte Gassen.

Strategisches Ziel sei es, dass die Daten wiederverwendbar sind und ein sektorenübergreifender Austausch möglich ist. „Es sind strukturierte Daten für die elektronische Patientenakte – und zwar die einzigen“, so der KBV-Chef. Er versicherte: „Wir machen das richtig, sind bisher auch auf Kurs und werden das im Zeitplan umsetzen können.“ Das sei ganz wichtig für die Akzeptanz im Gesundheitswesen.

„Es ist das erste Mal, dass man medizinischen Mehrwert erkennt“, so Gassen. Dabei schielt die KBV auch auf die europäische Ebene: „Wenn wir es tatsächlich schaffen, hier ein praktikables System zu erarbeiten, haben wir gute Chancen, hier europaweit Standards zu setzen. Wir müssen schneller sein, als die EU-Kommission. Das sollte leistbar sein“, sagte Gassen.

Bis die MIOs in den deutschen Arztpraxen tatsächlich praktischen Nutzwert entfalten, wird aber noch Zeit ins Land gehen. Denn bisher ist die elektronische Patientenakte gar nicht für standardisierte Daten vorbereitet. Die entsprechende Spezifikation erwartet die KBV zur Jahresmitte von der Gematik. Dann könnte eine Suche in den standardisierten Daten ab 2021 möglich sein. Bis dahin werden die MIOs in PDFs zurückverwandelt.

 

22.01.2020 16:08:58, Autor: am

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