Elektronische Gesundheitsakte Vivy & Co.

  • 12 Aufrufe
  • Letzter Beitrag vor 4 Wochen
Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 4 Wochen

Die elektronische Gesundheitsakte (z.B. vivy) ist ein Angebot z.B. der Kassen an ihre Mitglieder.

Bitte nicht verwechseln mit der elektronischen Patientenakte

Dr. Günter Gerhardt schrieb vor 4 Wochen

Vivy & Co.

KBV warnt: „Finanzierung des ärztlichen Aufwands nicht geklärt“

Die Anbieter elektronischer Gesundheitsakten erhöhen den Druck auf niedergelassene Ärzte, den Patienten ihre Gesundheitsdaten zur Verfügung zu stellen. Die KBV kritisiert: Die Finanzierung des ärztlichen Aufwands sei „nicht geklärt und mehr als unbefriedigend“.

Vor einer Woche startete die digitale Gesundheitsakte Vivy – unter Federführung des Privatversicherers Allianz. Die Anwendung verspricht den Nutzern, jederzeit ihre persönlichen Gesundheitsdaten zur Hand zu haben. Dabei sind die Anbieter der Akten auf die Mithilfe der niedergelassenen Ärzte angewiesen. Sie sollen den Patienten ihre Befunde, Arztbriefe oder Labordaten zur Verfügung stellen, so das Kalkül von Vivy & Co.

In einem ausführlichen Infoschreiben klärt die Kassenärztliche Bundesvereinigung die Niedergelassenen auf: „Kommt ein Patient mit einer Vivy-Gesundheitsakte zu einem anderen mit- oder weiterbehandelnden Arzt, besteht keine Verpflichtung, diese zum Teil umfangreichen Daten auszuwerten oder zu nutzen. Die elektronische Gesundheitsakte nach § 68 SGB V dient allein dem Informationsrecht des Patienten“, heißt es in dem Schreiben von KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel.

Die KBV weist auch auf die Datenschutzerklärung der Vivy-App hin. Diese ist zuletzt auch von Datenschützern kritisiert worden. Demnach nutzt Vivy „verschiedene Dienste (auch in den USA), die Daten zu unterschiedlichen Zwecken, zum Beispiel Werbung und Benutzerunterstützung, verarbeiten“, warnt die KBV. Inwieweit auch Daten der Arztpraxis an Dritte weitergegeben werden, sei aus der Datenschutzerklärung und den Begleitunterlagen nicht ersichtlich.

Nach Beschwerde von Ärzten: Vivy kriegt Besuch von Datenschutzbeauftragter

Wegen dieser Datenschutzbedenken soll die Berliner Datenschutzbeauftragte am Montag eine Vor-Ort-Kontrolle bei Vivy durchgeführt haben, berichtet das Online-Portal „heise.de“. Anlass seien auch Beschwerden von Ärzten gewesen, die von der App aufgefordert worden waren, Patientendaten freizugeben. Die Datenschutzaufsicht rate den Ärzten, sich bis zum Abschluss der Untersuchung jeweils zu vergewissern, dass die Anfragen tatsächlich von ihren Patienten angestoßen wurden.

Vivy hatte nach der Kritik von Datenschützern am Wochenende seine Datenschutzerklärung aktualisiert. Demnach gibt es nun eine Datenschutzerklärung für die eigene Website und eine andere speziell für die App, berichtet „heise.de“. In der Datenschutzerklärung seien die von den Datenschützern monierten Tracker Mixpanel und Crashlytics aufgeführt, die Tracker von Branch.io und Google seien dagegen anscheinend abgeschaltet worden.

Auch werde der Kunde darüber informiert, dass die Daten auf Servern von Amazon Web Services gespeichert werden, die in Frankfurt am Main stehen. Die 2-Faktor-Authentifizierung mittels SMS erfolge über das US-Unternehmen Twilio mit Sitz in San Francisco.

Gesundheitsakten unterliegen keinen strengen Zulassungsverfahren

Ärzte sollten im Hinterkopf behalten, heißt es im Schreiben der KBV weiter, dass es sich bei Anwendungen wie Vivy um elektronische Gesundheitsakten handelt, die Krankenkassen ihren Versicherten anbieten. Diese seien nicht gleichzusetzen mit elektronischen Patientenakten. Für Letztere gelten besonders hohe Sicherheitsanforderungen, sie müssen von der Gematik zugelassen werden. „Für Gesundheitsakten wie Vivy gelten diese strengen Zulassungsverfahren nicht“, schreibt KBV-Vorstandsmitglied Kriedel.

Zwar hätten Patienten Anspruch auf Kopien ihrer Patientenakte. Ihnen sei auf Verlangen „unverzüglich“ Einsicht in die vollständige Patientenakte zu gewähren. So steht es im Bürgerlichen Gesetzbuch. Auch nach der Datenschutz-Grundverordnung bestehe ein Anspruch auf Auskunft. „Die Art der Zurverfügungstellung von Daten können aber die Ärzte bestimmen“, betont Kriedel. So könne es aus Zeitgründen sinnvoll sein, auf eine Kopie zu verweisen.

Auch datenschutzrechtliche Bedenken spielten eine Rolle. Ärzte, die sich für Vivy entscheiden, sollten Folgendes beachten: Sie benötigen von ihren Patienten „eine Einverständniserklärung/Schweigepflichtentbindung“, dass sie angeforderte Dokumente per Web-Upload an Vivy senden dürfen.

Das Bereitstellen von Kopien oder elektronischen Ausdrucken von Arztbriefen, Befunden oder Labordaten sei allerdings keine Leistung der vertragsärztlichen Versorgung – eine Abrechnung und Vergütung über den EBM also nicht möglich. Ärzte sollten sich bei den Kosten für Kopien und Ausdrucke am Gerichtskostengesetz orientieren. Danach seien 50 Cent je Dokument angemessen.

Arzt muss Kosten selber tragen

„Die Finanzierung des ärztlichen Aufwands bei der Nutzung von elektronischen Gesundheitsakten ist zurzeit generell nicht geklärt und mehr als unbefriedigend“, schreibt Kriedel weiter. Die KBV werde zur Vergütung über die GOÄ die Bundesärztekammer kontaktieren.

Kriedel: „Es gibt derzeit keine gesetzliche Vorgabe oder Vereinbarung, dass die Krankenkassen die Kosten für die Integration von Gesundheitsakten in die Praxisverwaltungssysteme tragen müssen. Nach jetzigem Stand müsste der Arzt die Kosten selbst tragen oder in Absprache mit der Krankenkasse des Patienten die Kostenerstattung klären.“ Anders sei das bei der elektronischen Patientenakte, die ab 2021 jedem Patienten zur Verfügung stehen soll: Hier stehe die KBV in Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband.
25.09.2018 15:31:24, Autor: mm

 

Close