Praxis wegen Golftraining geschlossen

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Dr. Günter Gerhardt schrieb 02 Januar 2019

Sehr guter Artikel von Michael van den Heuvel in den DocCheck News (s.u.)

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Dr. Günter Gerhardt schrieb 02 Januar 2019

Praxis wegen Golftrainings geschlossen

 

Praxis wegen Golftrainings geschlossen

 

  1. Januar 2019

 

 

Der GKV-Spitzenverband fordert von niedergelassenen Vertragsärzten längere Öffnungszeiten ihrer Praxen. Kollegen ärgern sich massiv über diese Forderung. Jetzt kommen Hausärzte, Gynäkologen und andere Fachärzte zu Wort.

 

„Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gehen. Denn Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte“, kritisierte Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Rückendeckung bekam er postwendend von Karl Lauterbach. Viele Ärzte würden weder mittwochs noch freitags an den Nachmittagen arbeiten, sagte der SPD-Gesundheitsexperte. Und weiter: „Der ein oder andere Arzt wird ab Mittwochnachmittag auf dem Golfplatz gesehen.“ Für Lauterbach sind Medizinische Versorgungszentren (MVZ) die Lösung schlechthin: „Dort könnten sich Ärzte ablösen, sodass Öffnungszeiten von 6 bis 23 Uhr denkbar sind.“

 

Kritikpunkt 1: Falsche Zahlen vom GKV-Spitzenverband

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), hat sich mit Stackelbergs Behauptungen näher befasst. Die Zahlen, wonach jede vierte Einzelpraxis weniger als 25 Wochenstunden Sprechzeiten anbiete, seien nicht repräsentativ und irreführend, so Gassen in einer Stellungnahme. „Solche Erhebungen sind eine Verschwendung von Versichertengeldern mit dem Ziel der Irreführung, kurzum Fake News.“. Es gebe nur einzelne Praxen, die bei Umfragen weniger als 20 Wochenstunden angegeben hätten. Das sieht Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery ähnlich: „Die Kassenfunktionäre sollten sich dringend aus ihren Verwaltungsgebäuden heraus bemühen und einen Blick in die Praxen der niedergelassenen Ärzte werfen.“ Das bestätigen auch Ärzte auf DocCheck. Sie kommentierten das Thema wie folgt:

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Kritikpunkt 2: Öffnungszeit ist nicht gleich Arbeitszeit

Auch bei Kinderärzten stößt Stackelbergs Vorschlag auf Unverständnis. „Öffnungszeiten wie im Einzelhandel sind in unseren Praxen weder möglich noch erforderlich“, erklärt Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Wir arbeiten heute schon am Limit und oft darüber hinaus.“ Das seien im Schnitt 52 Wochenstunden, denn Gutachten, Fallkonferenzen mit anderen Fachärzten oder Dokumentation kämen mit hinzu.

Das bestätigt ein Zahnarzt aus Hamm (Nordrhein-Westfalen). Er schrieb der DocCheck Redaktion eine Mail. Samstags, sonntags, abends oder nachts sitzt er vor KZV-Statistiken, um durch „devotes Abrechnungsverhalten Plünderungen durch die GKV in sogenannten Beschwerdeausschusssitzungen zu vermeiden“. 100 Tage im Jahr müssten sich Ärzte mit nicht-ärztlichen Tätigkeiten rund um Dokumentation oder Verwaltung befassen. „Vielleicht sollte man Menschen wie den Herrn Stackelberg damit beschäftigen, 100 Tage oder 800 Stunden im Jahr unsinnige Aufsätze zu verfassen, die sofort im Schredder landen, damit sie nicht so viel Unfug in der Welt anrichten können.“

Auch die Münchener Hausärztin Dr. Alexandra Haupt-Pichler moniert in einer Mail inhaltliche Schwächen bei der Diskussion. Sie hat ihre Praxis an fünf Vormittagen und zwei Nachmittagen geöffnet, das sind etwa 29 Stunden. Hinzu kommen Heimvisiten, Hospizbesuche, organisatorische Tätigkeiten oder die Einarbeitung neuer Mitarbeiter. „Ich lade gerne diejenigen ein, die noch mehr von uns wollen, mich zu begleiten“, schreibt Haupt-Pichler. „Mehr Praxiszeit heißt auch noch mehr nacharbeiten, mehr Mitarbeiter einstellen, die wieder mehr kosten.“ Aufgrund der Pauschalen nehme man aber nicht zwangsläufig mehr ein.

Die Kollegin rät Politikern oder Funktionären, einen Blick auf neue Arztgenerationen zu werfen: „Und denkt mal jemand daran, dass die Medizin weiblich wird, die meisten Frauen nur Teilzeit in Anstellung arbeiten wollen und nur dann, wenn die Kinder in der Schule sind?“ Männliche Ärzte mit einer Hausfrau seien im Aussterben begriffen. Eine mögliche Lösung: „Nehmt endlich den NC weg, dann studieren vielleicht wieder mehr Männer Medizin (…) Oder erklärt den Medizinstudenten, dass Work-Life-Balance Quatsch ist.“

Kritikpunkt 3: Wer viel arbeitet, wird bestraft

Für Dr. Christoph L. Schlichting ist die Debatte Beweis genug, dass unser Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps steht. „Ärzte auf dem Land sind eine aussterbende Spezies“, schreibt der Orthopäde aus Varel in Niedersachsen an die Redaktion. „Die Niedergelassenen in Einzelpraxen haben keine Lobby.“ Und die Rekrutierung von Landärzten funktioniere nur noch über Zwang. Andererseits seien die OP-Zahlen nach Einführung des DRG-Systems explodiert – das bedeute Shareholder Value für Investoren. Schlichting: „Nur so kann man verdienen.“ Als Lösung schlägt er vor: „Es wäre ganz einfach die Praxen für mehr Arbeit zu gewinnen: Bezahlen. Öffnung der Grundpauschale bedeutet Öffnung der Praxen. Erhöhung des Punktwertes der Grundpauschale. Dann sind manche Praxen bestimmt auch samstags offen…dafür aber mittwochs zu. Denn auch der Arzt ist ein Mensch, der Ruhezeiten braucht.“

„Ein Öffnungszeitenproblem wäre gar nicht vorhanden, wenn die Honorarbudgetierungen für Ärzte abgeschafft und auf den allzeit geforderten mündigen Bürger übertragen würden“, schreibt Dr. Paul Peter Wüst. Er arbeitet als Gynäkologe in Borken (Nordrhein-Westfalen). Sein Vorschlag: „Diese Bürger-/Patientenbudgetierung sollte abgestaffelt sein nach Krankheitsgrad bzw. Chronizität.“ Versicherte könnten über die elektronische Gesundheitskarte selbst kontrollieren, wie hoch ihr Restguthaben ist. „Bei Überschreitung wäre dann der eigene Geldbeutel in der Pflicht und nicht der des Arztes, das schult die Eigenverantwortung“, erklärt Wüst.

Kritikpunkt 4: Überzogene Erwartungshaltung von Patienten

Bei aller Kritik am Abrechnungssystem dürfen Verfehlungen von Versicherten nicht übersehen werden. Das kommentiert auch eine Leserin im DocCheck-Portal:

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„Während die niedergelassenen Ärzte angehalten werden, ihre Behandlungen entsprechend des Grundsatzes wirtschaftlich, angemessen, notwendig, zweckmäßig zu gestalten, wird der Öffentlichkeit suggeriert, dass immer alles zur Wunschzeit verfügbar sei“, gibt Dr. Nikolaus Freymann zu bedenken. Er ist Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie in Rheinbach (Nordrhein-Westfalen). Notaufnahmen seien mit Sicherheit nicht überlastet, weil so viele Patienten akut am Freitagnachmittag erkrankten und ihr Hausarzt nicht mehr in seiner Praxis sei. Schließlich gebe es noch den ärztlichen Bereitschaftsdienst. „Aber in vielen Fällen ist es eine überhobene Erwartungshaltung, dass jegliche Beschwerden sofort dringendst behandelt werden, schließlich übernimmt ja alles die Krankenkasse.“ Freymann weiter: „Ich nehme als Psychiater selber am ärztlichen Bereitschaftsdienst teil, und meiner Erfahrung nach sind viele Einsätze nicht medizinischer Natur.“ Häufig handele es sich um allgemeine Beratungen: Themen, die man während der normalen Sprechzeiten ebenfalls klären könnte.

Apropos Erwartungshaltung: So mancher Kassenpatient lässt sich während der Privatsprechstunde einen Termin geben, um schneller behandelt zu werden. „Herr v. Stackelberg möchte, dass in den Sprechzeiten für Kassenpatienten keine Privatpatienten behandelt werden, diese sollten eigene Sprechstunden bekommen“, weiß Freymann. „Wenn alle Ärzte die Sprechstunden strikt trennen, wird das Problem deutlich verschärft werden.“ Besser seien gemeinsame Sprechstundenzeiten für alle Patienten.

Auch der bereits genannte Zahnarzt aus Hamm hat Erfahrungen mit unzuverlässigen Patienten gesammelt: „Der GKV möchte ich empfehlen, sich Gedanken zu machen, wie sie ihre Versicherten dazu bringt, die Termine, die sie fest vereinbart und zugesagt haben, dann auch einzuhalten oder wenigstens frühzeitig abzusagen.“ In seiner Zahnarztpraxis verstrichen deshalb etliche Termine ungenutzt. „Andererseits kommen täglich mehrere Patienten in die Praxis, die keinen Termin, aber Zahnschmerzen haben und den dringenden Wunsch nach bevorzugter Behandlung mitbringen.“ Ein Blick in die Karteikarte verrät dem Zahnarzt, dass die gleichen Personen zuvor Termine weder eingehalten noch abgesagt hätten. Nur wenn es schmerzt, muss der Arzt zur Stelle sein.

Lösung 1: Ärzte, habt mehr Selbstbewusstsein

Stackelbergs Forderung ist für Kollegen nicht nur ein Ärgernis, sondern Grund genug, etliche Aspekte des Systems zu hinterfragen. „Ich sehe u.a. die KVen in der Pflicht, sich noch mehr hinter ihre Vertragsärzte zu stellen“, schreibt ein Arzt. Aber bekanntlich fange der Fisch am Kopf an zu stinken – viele Vorstandsgehälter im Bereich der Selbstverwaltung seien „reziprok zur produktiven Arbeitsleistung“.

Vertragsärzte ließen sich zu viel gefallen, gerade von den KVen. „Ein Schulterschluss und verstärktes Aufbegehren wäre hier wünschenswert. Nur wie, wenn der Konkurrenzgedanke im Vordergrund steht?“ Ein anderer Arzt sieht das ähnlich. Er bringt Arbeitsniederlegungen ins Gespräch, hält den Gedanken aber selbst für wenig realitätsnah:

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Lösung 2: Reform des GKV-Systems

Auch das System aus 110 gesetzlichen Krankenkassen mit ähnlichen Leistungen wollen Ärzte auf den Prüfstand stellen. GKVen würden „ihre Existenzberechtigung geschickt aufrechterhalten, indem sie sich durch die Kontrolle über die Finanzen der Pflichtversicherten mittlerweile ein Polster von über 20 Milliarden Euro geschaffen haben“, konstatiert Wüst. „Die Existenz dieses Kassenwustes verbrennt jährlich Milliarden durch einen Wasserkopf von Verwaltungskosten, fetten Gehältern von Kassenvorständen, Werbekosten, Sponsoring von Sportveranstaltungen u.v.m, ohne auch nur einen der Pflichtversicherten zu fragen, ob er damit einverstanden ist.“ Beispielsweise können Bürger in Österreich ihre Krankenkasse (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nicht frei wählen. Wo man versichert wird, hängt vom Wohnort und von der Berufsgruppe ab. Durch eine ähnliche Bündelung mit weniger Administration ließen sich Jahr für Jahr Milliarden sparen: Geld, das Ärzten und damit auch Patienten momentan fehlt.

 

Dr. Günter Gerhardt schrieb 03 Januar 2019

Michael van den Heuvel, danke, ein guter Artikel. Er ermutigt mich, eine alte Forderung wieder aufleben zu lassen: Das Projekt “Politisches Wartezimmer TV”, dem vor Jahren die Vertreterversammlung der KV RLP zugestimmt hatte. Leider hat das Projekt meiner Stellvertreterin Frau Dr. Ultes-Kaiser nicht gefallen, sodaas es nicht weiter verfolgt wurde.

Ich befürworte ausdrücklich auch andere Aktionen wie Demos, Plakate und Flyer im Wartezimmer, Dienst nach Vorschrift oder Streik, also Versorgung der Bevölkerung wie am WE. Langfristig brauchen wir aber auch etwas Nachhaltiges, was Politik, Krankenkassen und auch die Medien fürchten wie der Teufel das Weihwasser, nämlich Wartezimmer TV. Das gibt es schon, funktioniert auch gut, aber noch ohne politische Beiträge. Der Satz in dem Artikel von Herrn van Heuvel „Ein Schulterschluss und verstärktes Aufbegehren wäre hier wünschenswert. Nur wie, wenn der Konkurrenzgedanke im Vordergrund steht?“ trifft den Nagel auf den Kopf.

Anhand meiner berufs- und gesundheitspolitischen Erfahrungen bin ich der festen Überzeugung, dass sowohl Gesundheitsthemen als auch gesundheitspolitische Themen v.a. von uns selbst, also Ärzten, Psychotherapeuten und allen Berufen, die etwas mit Medizin zu tun haben, der Öffentlichkeit präsentiert werden sollten. Geschieht dies nicht, wird sich das Problem Pflegenotstand und Ärztemangel weiter vergrößern und neue Probleme hinzukommen.

Dr. Günter Gerhardt schrieb 09 Januar 2019

GKV-Spitzenverband

„Jede vierte Einzelpraxis bietet zu wenige Sprechstunden“

Pünktlich zur Debatte über das Terminservice- und Versorgungsgesetz am Donnerstag im Bundestag macht der GKV-Spitzenverband Stimmung gegen die Niedergelassenen: Viele von ihnen würden weniger als 25 Sprechstunden pro Woche anbieten. Dies habe eine Umfrage ergeben.

https://www.aend.de/img/image_rendered/articles/240x200_crop/imagebig_1307_192581_264369.jpgFür Kassenfunktionär von Stackelberg ist die Forderung der Ärzte nach mehr Honorar für mehr Sprechstunden nicht nachvollziehbar.
© GKV-Spitzenverband

Im Schnitt 29 Stunden pro Woche Sprechzeit würden niedergelassene Haus- und Fachärzte ihren Patienten anbieten. Dies sei das Ergebnis einer Forsa-Umfrage vom Juli und August im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes.

Die Spanne reiche dabei von rund 27 Wochenstunden bei Hals-Nasen-Ohren-Ärzten über rund 28 Wochenstunden bei Orthopäden, Augen- und Kinderärzten sowie 29 Wochenstunden bei Gynäkologen bis zu etwas über 30 Wochenstunden bei Hausärzten. Die Angaben bezögen sich jeweils auf die durchschnittlichen Sprechstunden pro Woche inklusive Hausbesuche.

Ein „nicht unerheblicher Anteil“ der befragten Ärzte biete allerdings weniger Sprechstunden, heißt es am Donnerstag in einer Mitteilung des Kassenverbands. 25 Prozent der befragten Einzelpraxen mit Vollzulassung kommen demnach auf weniger als 25 Sprechstunden (inklusive Hausbesuche) pro Woche und acht Prozent auf weniger als 20 Sprechstunden. So böten 30 Prozent der Augenärzte in Einzelpraxen weniger als 25 Sprechstunden pro Woche an. In der Fachgruppe der Gynäkologen bleibe gut jeder Fünfte (21 Prozent) unter dieser Marke.

Erhöhung der Mindestsprechstundenzahl „absolut richtig und notwendig“

Bemerkenswert ist die Schlussfolgerung, die der GKV-Spitzenverband aus den Umfrageergebnissen zieht: „Die Umfrage zeigt, dass Ärzte schon heute im Schnitt deutlich mehr als 25 Wochenstunden Sprechzeit anbieten. Dass sie für die nun gesetzlich vorgesehene Erhöhung der Mindestsprechzeiten auf eben diese 25 Wochenstunden insgesamt mehr Geld fordern, ist insofern nicht nachvollziehbar“, lässt sich Verbandsvize Johann-Magnus v. Stackelberg in der Mitteilung zitieren. „Gleichzeitig machen die Zahlen aber auch deutlich, dass es durchaus einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Ärzten gibt, der weniger als 25 oder gar 20 Wochenstunden Sprechzeit für die Versicherten anbietet. Die Mindestsprechstundenzahl gesetzlich auf 25 Wochenstunden zu erhöhen ist deshalb absolut richtig und notwendig.“

KBV-Chef Gassen hält Ergebniss für „Fake News“

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisierte die Umfrageergebnisse der Kassen in einer ersten Stellungnahme scharf. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen hält das Ganze für eine ,„Verschwendung von Versichertengeldern mit dem Ziel der Irreführung, kurzum Fake News“. Die Umfrage sei irreführend und nicht nachvollziehbar.

Verwundert zeigte sich Gassen darüber, dass Angaben enthalten seien von weniger als 25 Sprechstunden: „Offenbar kennen die Kassenfunktionäre ihre eigenen Vereinbarungen nicht. Im Bundesmantelvertrag ist eine Mindestzeit von 20 Wochenstunden aufgeführt.“

Gassen weiter: „Die Praxen, die weniger als 20 Wochenstunden angegeben haben, sind nur sehr wenige. Und hier muss in jedem Fall hinterfragt werden, woran das liegt. Sprechstundenzeiten sind ja nicht gleich zu setzen mit Behandlungszeiten für Patienten. Wenn ein niedergelassener Kollege viele Operationen und Untersuchungen durchführt, kann er logischerweise weniger Sprechzeiten anbieten.“

Der GKV-Spitzenverband ließ in der Umfrage 1.400 niedergelassene Haus-, Kinder- und Fachärzte in Einzelpraxen mit einer Vollzulassung befragen. Davon 700 niedergelassene Haus-, Kinderärzte/Allgemeinmediziner und 700 niedergelassene Fachärzte der Fachrichtungen Augenheilkunde, Orthopädie, Gynäkologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

SpiFa moniert unseriöses Vorgehen des GKV-Spitzenverbandes

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) zeigte sich am Donnerstag verwundert über die Äußerungen des GKV-Spitzenverbandes: „Wir halten diese Umfrage für unseriös“, so der SpiFa-Vorstandsvorsitzende, Dr. Dirk Heinrich.

Es seien 700 Fachärzte aus mindestens sechs Fachgruppen befragt worden, also maximal 100 einer Fachgruppe. „Das ist viel zu wenig. Offenbar will der GKV-Spitzenverband unmittelbar vor der ersten Lesung des Entwurfs zum TSVG im Bundestag noch einmal Stimmung gegen die Ärzteschaft machen.“

Dem entgegen stünden Zahlen aus dem aktuellen Ärztemonitor, für den die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der NAV-Virchow-Bund unlängst mehr als 10.000 Ärzte befragt hätten. „Dabei ist eine Sprechstundenzahl von 32 pro Arzt und Woche herausgekommen.“ Heinrich kritisierte, dass von politischer Seite offenbar vor dem Gesetzentwurf keine seriöse Erhebung des Sprechstundenangebots und des vermeintlichen Mehrbedarfs stattgefunden habe. Bei der gesundheitspolitischen Diskussion auf dem SpiFa-Fachärztetag Mitte Oktober (der änd berichtete) sei jedenfalls keiner der anwesenden Politiker in der Lage gewesen, entsprechende Zahlen zu nennen.

13.12.2018 15:53:18, Autor: mm

 

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